« Engagement hoch drei»

Ein Portrait über Sivlia Walther

Portrait Sylvia Walther
Portrait Sylvia Walther
Dreifach unterstützt Sylvia Walther aus Schönenwerd das Rote Kreuz Kanton Solothurn: als langjähriges Mitglied – und als Freiwillige des Fahr- sowie des Besuchs- und Begleitdienstes.

Alles begann mit einem Gedanken, den sie in den Ferien hatte: Das wär doch auch was für mich, dachte sich Sylvia Walther aus Schönenwerd. Damit meinte sie:  Menschen zum Zahnarzt, in die Therapie, zum Coiffeur, zum Arzt fahren. Und beim «auch» schwang der Gedanke an ihren verstorbenen Mann mit: Er, der zuvor als Car-Chauffeur gearbeitet hatte, war zehn Jahre lang Rotkreuz-Fahrer.

Nun ist Sylvia Walther selber seit nunmehr einem Jahrzehnt unterwegs und hat sich eine Stammkundschaft aufgebaut. «Oft ergibt sich aus einem Termin der nächste», erzählt sie. «Die Leute schätzen es, wenn sie jemand begleitet, der ihnen vertraut ist und bei dem sie sich sicher fühlen.»

Sylvia Walther nimmt die Leute so, wie sie sind; auch wenn sie mal schlecht gelaunt oder gestresst sind: «Ich nehme ihnen den Wind aus den Segeln, indem ich freundlich und offen auf sie zugehe.» Darum seien ihre Kundinnen und Kunden freundlich – und gesprächsfreudig. «Es ergeben sich viele Plaudereien, aber auch tiefere und persönlichere Gespräche. Bei mir können sie sicher sein, dass ich nichts weitersage. Ich bin diskret und verschwiegen.» Sind Kunden der Meinung, sie wähle den falschen Weg, bringt sie das nicht aus dem Konzept: «Ich erkläre dann, warum ich so fahre. Ich plane die Route jeweils im Voraus.»

Fast wie Mutter und Tochter

Oft ergibt das eine das andere. Aus ihren Kontakten durch den Fahrdienst wuchs ein weiteres Engagement: jenes beim Besuchs- und Begleitdienst (BBD), den es seit zwanzig Jahren gibt (vgl. Randspalte). So geht Sylvia Walther mit einer über 90-jährigen Frau einkaufen und käfele. «Die Frau schätzt das wöchentliche Ritual sehr», erzählt Sylvia Walther. «So kommt sie regelmässig unter die Leute. Sie hat wenig Kontakt zu anderen Menschen, weil ihre Verwandten nicht in ihrer Nähe wohnen und Nahestehende gestorben sind.» Seit sie einmal im Bus umgefallen ist, getraut sich die alleinstehende Frau kaum noch aus dem Haus. Darum stützt sie Sylvia Walther. «So fühlt sie sich sicher. Ich ermuntere sie jedoch, auch alleine zu gehen, mit Hilfe ihres Stockes.»

Seit vier Jahren sehen sich die beiden Frauen regelmässig, tauschen sich aus. Daraus ist eine Beziehung mit Tiefgang gewachsen. «Diese Frau ist ein bisschen wie eine Mutter für mich», erzählt die 73-jährige Sylvia Walther. «Ich kann ihr das geben, was ich meiner Mutter nicht mehr geben kann.» Ihre Mutter ist kurz nach der Pensionierung der Tochter gestorben. «Ganz plötzlich, an einem Herzschlag. Ich hätte noch viel Zeit mit ihr verbringen wollen.»

Zeit verbringt sie nun mit der über 90-jährigen Dame: spazieren im Park, flanieren in der Stadt oder mit dem Auto einen Ausflug machen. Die freiwilligen Einsätze bringen der 73-Jährigen persönlich viel: «Sie sind vielseitig und halten mich auf Trab. Und sie geben mir eine Aufgabe, die mir Freude macht. Sonst würde ich die Zeit wohl eher verplempern.» In ihrer Freizeit widmet sich die zweifache Grossmutter, die früher Filialleiterin bei einem Grossverteiler war, unter anderem ihrem Hobby: dem Lösen von Kreuzworträtseln.

Langfristig helfen

Sylvia Walther unterstützt das SRK Kanton Solothurn nicht nur mit ihrem doppelten freiwilligen Engagement – sondern auch als Mitglied: Seit Jahren zahlt sie jedes Jahr den Mitgliederbeitrag und ermöglicht es dem Roten Kreuz, im Kanton langfristig und nachhaltig zu helfen. Durch ihre Einsätze sind ihr die Menschen vertraut, die sich hinter den Kulissen einsetzen. «Ich schätze es zu wissen, in welche Hände das Geld kommt und wem dadurch geholfen wird.»